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17aus63: Der C.H.Beck-Fragebogen
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Jörg Baberowski ist Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin und Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zur russischen und sowjetischen Geschichte. 2012 erhielt er für sein Werk „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“ den Preis der Leipziger Buchmesse.
1. Was haben Sie im Studium fürs Leben gelernt?
Ich studierte in Göttingen. Abends saß ich im „Trou“, schaute hin und wieder in ein leeres Bierglas, ließ es wieder auffüllen und dachte darüber nach, was noch kommen könnte. Mir hat das fürs Leben gereicht.
2. Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich habe im Alter von 17 Jahren nach der 10. Klasse die Schulausbildung abgebrochen und ein Jahr lang als Arbeiter auf Baustellen verbracht. Vom Lohn habe ich mir eine Gitarre gekauft. Ich bin dann wieder zur Schule gegangen. Auf der Baustelle hätte niemand meine Songs hören wollen.
3. Wie sieht ein gelungener Tag in Ihrem Leben aus?
Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, jemand schenkt mir ein freundliches Lächeln. Mehr erwarte ich von einem gelungenen Tag nicht.
4. Was nehmen Sie sich immer wieder vor?
All die Dummheit, den Stumpfsinn und die Niedertracht zu ignorieren, die sich immer wieder ungefragt ins Leben drängen.
5. Was ertragen Sie nur mit Humor?
Vorsitzende, Beauftragte, Funktionäre, die ihr Leben in Gremien verbringen und glauben, sie könnten dem Tod entgehen, weil sie sich irgendwo „positioniert“ haben.
6. Ein großes „Beinahe“ in Ihrem Leben
Das ganze Leben war ein Beinahe. Und es hört nicht auf …
7. Was bedeutet das Schreiben für Sie?
Schreiben heißt, etwas so auszudrücken, wie es nicht ist, nur schöner. Ich bin zufrieden, wenn ein Bild vor meinen Augen entsteht, während ich schreibe. Glücklich bin ich erst, wenn es gelingt, Sätze so zu formen, daß sie mir entsprechen.
8. Welche Künstler beeindrucken Sie?
All die Exzentriker, die kompromisslos tun, was sie tun müssen und denen es egal ist, was irgendjemand davon hält.
9. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen am meisten?
Aufrichtigkeit, Warmherzigkeit, Selbstlosigkeit, Mut und Loyalität.
10. Welcher Illusion geben Sie sich gern hin?
Dass es nicht schlimmer kommen wird, als es schon ist
11. Welche Zeitungen, Magazine und Blogs lesen Sie?
Ich lese inzwischen nichts dergleichen mehr. Es würde mich beim Nachdenken stören.
12. Ihre Lieblingsbuchhandlung?
„Kitzinger“ in der Amalienstrasse in München.
13. Ihr Lieblingsmuseum?
Die Kollektion meiner Vorstellungen, die sich in meinem Kopf befindet und die ich jeden Tag aufs Neue besichtigen kann, ohne irgendwo hingehen zu müssen.
14. Welchen Satz haben Sie sich zuletzt aus einem Buch notiert?
„Wir wären keine Verliebten, glaubten wir nicht, es werde doch gut gehen“, aus: Peter Sloterdijk, Zeilen und Tage III. Notizen 2013-2016, Berlin 2023, S. 244.
15. Ein Buch, das Ihr Leben verändert hat?
Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, und ders., Die Grundbegriffe der Metaphysik. Welt – Endlichkeit – Einsamkeit, 1929/1930.
16. Das beste Buch, das Sie im letzten Jahr gelesen haben?
Raymond Geuss, Nicht wie ein Liberaler denken, Berlin 2024.
17. Ihr Motto?
Es reicht nicht, laut zu sein. Man muss auch Recht haben.
"Die Geschichte der Februarrevolution nicht als Vollzug einer historischen Zwangsläufigkeit, sondern als ‹Aneinanderreihung von Augenblicken› in rasend beschleunigter Zeit, auf die niemand, die Revolutionäre am allerwenigsten, gefaßt war – erzählt in einem Meisterwerk der Geschichtsschreibung."
Karl Schlögel
Ende Februar 1917: In den Palästen Petrograds wird getanzt und in den Opern gesungen, während sich auf den Straßen die Proteste ausweiten und die staatliche Ordnung in Bedrängnis gerät. Doch weil der Innenminister glaubt, alles im Griff zu haben, verlässt der Zar mit seinem glamourösen Hofzug die Hauptstadt. Er sollte sie nie wieder betreten, denn jetzt beschleunigen sich die Ereignisse. In einem alles mitreißenden Strudel geht das Zarenreich unter und mit ihm alle Alternativen, die Rußland in eine andere Zukunft geführt hätten.